Tuftsin-abgeleitete Heptapeptide im Vergleich von Selank und Semax

Von den beiden synthetischen linearen Heptapeptiden ist nur Selank von Tuftsin abgeleitet; Semax gehört zur ACTH-Linie. Wer Selank vs Semax vergleicht, trifft deshalb zuerst eine Identitätsabgrenzung: Die gleiche Kettenlänge und das gleiche C-terminale Motiv begründen weder dieselbe Stoffklasse noch austauschbare Referenzmaterialien. Das hier beschriebene Material ist ausschließlich für Labor- und Forschungszwecke, nicht für den menschlichen oder tierischen Gebrauch, kein zugelassenes Arzneimittel und nicht zur Diagnose, Behandlung oder Vorbeugung bestimmt. Die Materialangaben zum zugehörigen Katalogeintrag dokumentieren den dort geführten Stoff; für eine konkrete Charge bleibt die zugehörige Chargendokumentation maßgeblich.

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01Sieben Reste, zwei Herkunftslinien

Was ist Selank chemisch? Die Antwort beginnt bei der vollständigen Sequenz. Tuftsin ist das Tetrapeptid Thr-Lys-Pro-Arg (TKPR). Selank ist das synthetische lineare Heptapeptid Thr-Lys-Pro-Arg-Pro-Gly-Pro (TKPRPGP). Es bewahrt das vollständige Tuftsin-Motiv und trägt daran C-terminal die drei Reste Pro-Gly-Pro. Semax besitzt dagegen die Sequenz Met-Glu-His-Phe-Pro-Gly-Pro (MEHFPGP). Seine ersten vier Reste entsprechen ACTH(4-7); zusammen mit dem angehängten Pro-Gly-Pro wird es als ACTH(4-10)-abgeleitetes Analogon geführt. Ein TKPR-Motiv enthält Semax nicht.

Siebert und Kollegen ordneten Tuftsin und seine Derivate in einer Übersichtsarbeit über die chemische und biologische Literatur. Die Autoren sichteten 86 Publikationen, davon 32 zum Tetrapeptid selbst und 54 zu Analoga (Übersichtsarbeit, PMID 28745220). Eine solche Übersichtsarbeit ordnet eine Stoffklasse; sie belegt kein einzelnes Material, kein Experiment und keine Charge. Die strukturelle Zuordnung der beiden Heptapeptide folgt hier aus ihren vollständigen Sequenzen und ihren jeweiligen Herkunftsbezügen.

02Was aus dem gemeinsamen Endmotiv nicht folgt

Das gemeinsame Pro-Gly-Pro umfasst drei von sieben Positionen. Die übrigen vier Reste ergeben zwei verschiedene vollständige Sequenzen und damit eigenständige Stoffdatensätze. Messwerte des Tetrapeptids Tuftsin lassen sich nicht auf das Heptapeptid TKPRPGP übertragen, denn bereits die C-terminale Erweiterung verändert die vollständige Molekülidentität. Ebenso lassen sich Befunde zu TKPRPGP nicht auf MEHFPGP übertragen oder in umgekehrter Richtung zuordnen.

Die gemeinsame Endsequenz ist daher nur ein lokales Strukturmerkmal. Eine gemeinsame Stoffklasse entsteht daraus ebenfalls nicht. Sie ersetzt weder den Abgleich der sieben Positionen noch den Herkunftsbezug des gesamten Moleküls. Die Identitätsprüfung bleibt jedem vollständigen Stoffdatensatz zugeordnet.

Damit ist die Gegenüberstellung Selank vs Semax keine Rangfolge. Der häufigste Zuordnungsfehler besteht darin, eine Übersicht zur Tuftsin-Klasse als Nachweis für ein einzelnes Material zu lesen, obwohl sie dessen Herkunft, Synthese und Analytik nicht dokumentiert. Auch ein gemeinsames Sequenzmotiv schließt diese Lücke nicht. Für die stoffliche Einordnung sind vollständige Sequenz, dokumentierte Form und der passende Stoffdatensatz getrennt zu prüfen; für chargenbezogene Angaben ist die zugehörige Chargendokumentation maßgeblich.

03Identitätsdaten im direkten Vergleich
  • Kettenlänge — Selank: sieben Aminosäurereste; Semax: sieben Aminosäurereste
  • Sequenz — Selank: Thr-Lys-Pro-Arg-Pro-Gly-Pro; Semax: Met-Glu-His-Phe-Pro-Gly-Pro
  • Einbuchstabencode — Selank: TKPRPGP; Semax: MEHFPGP
  • Herkunftsbezug — Selank: Tuftsin, TKPR; Semax: ACTH(4-10), mit ACTH(4-7)-Motiv
  • Gemeinsames Motiv — Selank: C-terminales Pro-Gly-Pro; Semax: C-terminales Pro-Gly-Pro
  • Systematische Einordnung — Selank: Tuftsin-Analogon; Semax: ACTH-abgeleitetes Analogon

Wer Selank vs Semax vergleicht, erhält hier eine Identitätsabgrenzung, keine Rangfolge: Die Tabelle stellt zwei Stoffdatensätze nebeneinander und bewertet sie nicht. Das gemeinsame C-terminale Pro-Gly-Pro umfasst drei von sieben Positionen. Die übrigen vier Reste unterscheiden sich; beide vollständigen Sequenzen führen deshalb eigenständige Stoffdatensätze. Aus dem gemeinsamen Motiv folgt keine Übertragbarkeit von Befunden.

Eine Quelle misst beide Peptide gemeinsam: Panikratova et al. erfassten bei 52 gesunden Teilnehmenden die funktionelle Konnektivität vor der Exposition sowie nach 5 und 20 Minuten mit Selank, Semax oder Placebo (PMID 32342318; Modellqualifier: Studie mit menschlichen Teilnehmenden, Resting-State-fMRT). Das begründet weder Austauschbarkeit noch Rangfolge; die Ergebnisse werden nicht auf das angebotene Labormaterial übertragen, und alle übrigen Quellen messen nur ein Peptid.

04Formvarianten verlangen eigene Stoffdatensätze

n-acetyl selank bezeichnet eine N-terminal acetylierte Formvariante und ist kein Synonym der freien Peptidform TKPRPGP. Die terminale Modifikation verändert Summenformel, Molekülmasse, terminale Gruppen und analytische Referenzwerte. Welcher Datensatz vorliegt, klären der vollständige Stoffname, die Spezifikation und die Chargendokumentation, nicht eine Katalog-Kurzform.

Die Suche adamax vs semax führt ausschließlich zu einer Bezeichnungsfrage. „Adamax“ wird hier weder als verifizierte chemische Identität noch als standardisierte Variante oder gleichwertige Bezeichnung eingeordnet. Dafür fehlen vollständige Sequenz, terminale Modifikationen, Stoffidentifikatoren und belastbare Primärquellen. Ohne diese Angaben ist keine sachliche Gegenüberstellung möglich.

Befunde, Identifikatoren und Analysenwerte gehören nur zu genau der dokumentierten Identität; Namensähnlichkeit im Katalog ersetzt weder Sequenzabgleich noch den Analysenbefund der Charge.

05Semax: getrennte Messgrößen in getrennten Modellen

Im Tiermodell Ratte band tritiummarkiertes Semax spezifisch, reversibel und calciumabhängig an Zellmembranen des basalen Vorderhirns. Nach drei Stunden lag dort die BDNF-Proteinmenge höher, im Kleinhirn nicht. Die Dokumentation des Semax-Forschungsmaterials bleibt davon getrennt (PMID 16635254).

Im Tiermodell Ratte lag im Hippocampus BDNF-Protein 1,4-fach, die Tyrosin-Phosphorylierung von TrkB 1,6-fach, Exon-III-BDNF-mRNA 3-fach und trkB-mRNA 2-fach höher (PMID 16996037).

Im Tiermodell Nagetier stieg im Striatum der Gewebegehalt von 5-HIAA nach zwei Stunden um 25 %, das extrazelluläre 5-HIAA innerhalb von ein bis vier Stunden auf bis zu 180 %. Dopamin und seine Metabolite blieben unverändert (PMID 16362768).

Eine Transkriptomanalyse im Kortex eines Rattenmodells einer örtlich begrenzten Minderdurchblutung erfasste nach 24 Stunden besonders Immunglobuline und Chemokine unter den Genen mit veränderter Expression. Das ist keine Funktionsaussage (PMID 24661604).

Auf Proteinebene eines Rattenmodells einer vorübergehenden Minderdurchblutung lagen nach 24 Stunden höhere Mengen an aktivem CREB sowie niedrigere Mengen an MMP-9, c-Fos und aktivem JNK vor. RNA- und Proteinprofil sind nicht ineinander umrechenbar (PMID 34201112).

Im Tiermodell Ratte waren Stickstoffmonoxid-Bildung und Marker der Lipidperoxidation gegenüber Kontrolltieren erhöht. Mit dem Peptid fiel der Anstieg geringer aus; Glycin zeigte keinen Unterschied (PMID 11245825). Diese Endpunkte sind keine zugesicherten Materialeigenschaften.

06Selank: Messgrößen in getrennten Modellen

Im Tiermodell Ratte wurde im Frontalkortex ein Panel aus 84 Genen der Neurotransmission untersucht. Nach 1 h waren 45, nach 3 h 22 Gene verändert. Nach 1 h bestand eine positive Korrelation mit den Änderungen unter GABA (PMID 26924987).

Dasselbe Panel wurde in einer Zellkultur der humanen Neuroblastom-Linie IMR-32 geprüft. Das Peptid allein veränderte keine untersuchte mRNA-Menge. Unterschiede traten in Kombinationsbedingungen mit GABA oder Olanzapin auf. Eine humane Zelllinie ist keine Studie mit Menschen (PMID 28293190).

Im Tiermodell Maus erfasste ein exploratives Panel in der Milz 84 entzündungsbezogene Gene nach 6 h und 24 h. Bei 34 Genen war die Expression verändert. Das Panel hatte keinen vordefinierten Einzelendpunkt (PMID 21609736).

In einem Tiermodell Ratte war die BDNF-Expression im Hippocampus die untersuchte Messgröße. Am Index liegt zu dieser Publikation kein Abstract vor, sondern nur der bibliografische Eintrag. Zahl, Richtung und Zeitverlauf gehen daraus nicht hervor (PMID 18841804).

Eine Publikation unter Beteiligung von Personen maß die Hemmung der enzymatischen Hydrolyse von Enkephalin im Humanplasma mit einer IC50 von 15 µM. Diese Messung wird nicht auf Laboratoriumsmaterial übertragen (PMID 11550013).

In einem Tiermodell Ratte wurde ex vivo die BDNF-Proteinmenge in Hippocampus und präfrontalem Kortex gemessen. BDNF-mRNA und BDNF-Protein sind verschiedene Messebenen (PMID 31625062).

07Was der Vergleich nicht hergibt

Wer Selank vs Semax vergleicht, erhält keine Rangfolge, Empfehlung oder Eignungsbewertung für ein bestimmtes Vorhaben.

PMID 32342318 vergleicht Selank, Semax und Placebo bei 52 gesunden Teilnehmenden per Resting-State-fMRT, begründet aber weder Austauschbarkeit noch Rangfolge oder eine Übertragung auf das Labormaterial.

mRNA, Protein, Phosphorylierung, Proteom, neurochemischer Marker und Enzymaktivität sind verschiedene Messgrößen. Zelllinie, Plasma außerhalb des Organismus, Maus und Ratte sind verschiedene Systeme. Ihre Befunde addieren sich nicht zu einem Gesamtbild. Zwei der dreizehn Belege sind entweder eine Übersichtsarbeit oder am Index nur ohne Abstract verfügbar. Die dortige Systematik beziehungsweise der bibliografische Eintrag ersetzen keine Primärarbeit.

Auch gleich benannte Zielgrößen schaffen ohne gemeinsamen Versuchsaufbau keine Vergleichbarkeit. Gewebe, Zeitpunkt und Ausleseverfahren begrenzen jede Beobachtung zusätzlich. Eine Änderung auf Transkriptebene legt weder Richtung noch Ausmaß einer Proteinmessung fest; eine Enzymmessung im Plasma beantwortet wiederum eine andere Forschungsfrage als ein Genpanel im Gewebe. Deshalb bleibt jede Zahlenangabe an das ausdrücklich genannte System gebunden. Das verhindert unzulässige Schlüsse über voneinander getrennte Messebenen.

Keine Publikation dieses Korpus bestimmt Identität, Salzform, Reinheit oder Haltbarkeit einer Charge. Dafür gelten die jeweilige Spezifikation und die zugehörige Chargendokumentation. Weitere Stoffklassen und Abgrenzungen im Lexikon für Forschungspeptide folgen derselben Trennung von Identität, Modell und Messgröße.

08Etikett, Charge und Dokumentation

Etikettangabe, Chargennummer und begleitendes Chargendokument müssen dieselbe Substanzidentität ausweisen. Nur diese eindeutige Zuordnung macht Angaben zum konkreten Material nachvollziehbar; die Handelsbezeichnung allein genügt dafür nicht. Abweichende Namen oder Zuordnungen sind daher als Dokumentationsdifferenz festzuhalten und getrennt vom Materialdatensatz für die sachliche Zuordnung im Laborbestand des Materials zu betrachten. Massgeblich ist die dem Material zugeordnete Chargenspezifikation.

09Wo die Datenbasis dünn ist

Die vorhandene Literatur trägt keine Kopf-an-Kopf-Aussage zu den beiden Sequenzen. Heterogene Modelle, unterschiedliche Messgrößen und unterschiedliche Beobachtungszeitpunkte begrenzen direkte Vergleiche. Beobachtungen aus einzelnen Geweben, Zeitpunkten oder Zellkulturen lassen sich nicht zu einer einheitlichen Vergleichsgröße zusammenführen; selbst ein gemeinsames Studiendesign begründet keine allgemeine Rangfolge.

10Häufige Fragen

Was zeigt das gemeinsame Endmotiv?

Beide Sequenzen enden mit Pro-Gly-Pro. Dieses lokale Merkmal umfasst drei Positionen und ändert nichts an ihren unterschiedlichen vollständigen Sequenzen und Herkunftslinien.

Welche Schreibvarianten sind gemeint?

Selank und Semax bezeichnen hier TKPRPGP beziehungsweise MEHFPGP; modifizierte Formen, Kurzformen oder ähnlich klingende Handelsnamen sind davon als eigene Identitätsangaben getrennt zu dokumentieren.

Was erlaubt der Vergleich nicht?

Die Gegenüberstellung liefert weder eine Rangfolge noch Austauschbarkeit oder eine gemeinsame Materialeigenschaft, weil Modelle, Messgrößen und Versuchsbedingungen zwischen den ausgewerteten Publikationen variieren.

11Quellen
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  2. Volkova A et al., 2016 · Front Pharmacol 7:31 · PMID 26924987; DOI 10.3389/fphar.2016.00031 · Modelltyp: Tiermodell Ratte, Frontalkortex
  3. Filatova E et al., 2017 · Front Pharmacol 8:89 · PMID 28293190; DOI 10.3389/fphar.2017.00089 · Modelltyp: Zellkultur, humane Neuroblastom-Linie IMR-32
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  14. Panikratova YR et al. (2020) · PMID 32342318 · 52 gesunde Teilnehmende; Resting-State-fMRT; gemeinsames Design; keine Übertragung auf Labormaterial